Wenn jemand besonderes Interesse an den Fotos auf schwarzfuchs.com hat, wird gerne die Frage nach meiner Kamera gestellt. Zücke ich als Antwort dann mein Telefon, gehen auf dem Gesicht meines Gegenübers oft Überraschung, Verwunderung und Unglauben nahtlos ineinander über: „Wie, Du fotografierst das alles mit Deinem Telefon?“ „Nein mit meinem Smartphone“, erwidere ich dann. Denn das ist für mich ein entscheidender Unterschied.
Wie das Smartphone zu meiner „Leitkamera“ wurde? Der Knackpunkt war meine mehrtätige Karwendeltour (s. auch die Reportage dazu, LINK).

Kein Platz für eine „richtige“ Kamera.
Ich hatte zum Tourstart ein ernsthaftes Problem: Mein gut gefüllter Rucksack bot einfach keinen Platz mehr für eine „richtige“ Kamera. Auch das alternative Kompaktmodell passte nicht mehr hinein. Zudem hatte ich mit einer klassischen Kamera bei einer vorherigen Mehrtagestour schon schlechte Erfahrungen gemacht: Sie war sperrig im Handling, hatte auf dem Höhepunkt des Trips einen leeren Akku und eine volle Speicherkarte. Etwas, das ich ihr nie ganz verzieh, denn mein Smartphone hat mir dergleichen bis heute nicht angetan. Damals griff ich also – mehr aus Verlegenheit als aus Überzeugung – für die Tour zu meinem Smartphone und alles nahm seinen Lauf.

Überzeugung statt Verlegenheit.
Die Verlegenheit ist heute längst purer Überzeugung gewichen. Klar haben diese Geräte (wie alles) ihre Grenzen. Aber das Gesamtpaket aus einfachem Handling, guter Outdoortauglichkeit, permanenter Verfügbarkeit, nahezu unbegrenzter Speicherkapazität, hoher Akkulaufdauer, lichtstarkem Display, sowie ständig erweiterbaren Zusatzfunktionen (s. Bild oben: Panoramamodus!) und Apps ist für meine Zwecke nahezu unschlagbar. Nicht zu vergessen die gute alte Telefonfunktion und die immer wieder überraschend gute Bildqualität – letztere geht übrigens oft weit über die reine Schnappschusstauglichkeit hinaus. Zudem gibt’s all dies vereint im bikertauglichen Packmaß eines leicht überdimensionierten Müsliriegels. Von so bloggerfreundlichen Features wie Social Media Anbindung und Notizbuchfunktion einmal ganz abgesehen.

Keiner würde Comics und Ölgemälde vergleichen.
Vielleicht werden Smartphonebilder von dem einen oder anderen „Profifotografen“ noch einige Zeit lang naserümpfend als solche erkannt werden. Aber das schmälert in meinen Augen nicht ihren Reiz, der wohl vor allem im eben beschriebenen Gesamtpaket dieser „Immer dabei Kameras“ begründet liegt. Ein wahrer Kunstkenner wirft Comics und Ölgemälde ja auch nicht in einen Topf. Warum also sollte man dies mit Smartphonebildern und klassischen Fotos tun? Und so würde ich mich nicht wundern, wenn sich die Smartphone-Fotografie bald als eigene Strömung neben der klassischen Fotografie etabliert. Etwa als „Smartografie“: Mit eigener Bildsprache, eigenen Möglichkeiten und eigenständigen Foto- pardon Smartografen. Vielleicht ist’s auch schon längst soweit? Die Institution klassischer Fotografie, das National Geographic Magazine, führt jedenfalls bereits ein Buch über „iPhone-Fotografie“ in ihren Reihen – ein Anfang wäre gemacht.