… Trailscouting für #47ungrad, mein nächstes Adventuredahoam im Sommer 2016.

„Na, da schaltet ja keiner einfach das Licht an und dann ist’s hell“ erklärt Stephan, als ich aus dem Auto steige und bemerke, dass es für 4:00 Uhr nachts doch schon recht grau am Himmel ist. Wenig später verschluckt uns jedoch der Ammerwald und als wir kurz darauf die Grenze von Österreich nach Deutschland passieren und den Schützensteig emporsteigen, haben wir wirklich den Eindruck in finsterster Nacht unterwegs zu sein.

Schnee knirscht hier unten noch keiner unter unseren Füßen. Dazu ist es schon zu spät im Jahr. Erst weiter oben werden wir von normalen Wander-, auf unsere mitgebrachten Schneeschuhe umsteigen. Ein Käuzchen ruft. Der einzige Laut, der außer unserem Atem und dem metallischen Klirren der Teleskopstöcke die nächtliche Stille durchbricht.

Plötzlich huscht etwas großes vor mir durch den Lichtkegel und ich erschrecke: Gebannt lausche ich auf das folgende Knacken im Unterholz. Steine rieseln zu uns herab. Erst als ein heiseres Pfeifen ertönt wird mir klar: Eine Gemse. Stoisch blicken ihre eisgrau im Schein meiner Lampe reflektierenden Augen von den Felsen über uns zu mir herab.

Bald schon bedeckt unberührter Schnee unseren Pfad. Das Reich des Winters hat begonnen. Es ist kurz vor Ostern und ich glaube zu wissen, von wo aus sich bald all die Osterhasen aufmachen werden: Es wimmelt nur so von Hasenspuren, als wir mit einem etwas mulmigen Gefühl einen noch recht frischen Lawinenkegel überklettern.

Gleißend-bläulich reflektiert der Schein unserer Kopflampen den Schnee zu unseren Füßen. Ein gut ausgeleuchtetes Feld von wenigen Quadratmetern auf das wir uns beim Gehen konzentrieren. Ich werfe einen Blick den steilen Hang hinab ins Tal: Die LEDs sind stark und dennoch verliert sich ihr Licht schon nach wenigen Metern im schwarzen Nichts des Abgrunds. Ich kenne das Gelände von unzähligen Touren hier wirklich gut, aber so dramatisch habe ich es noch nie wahrgenommen. Glitzernder Schnee, verzerrte Schatten überall: Die Magie der Nacht hat mich voll im Griff, als ich falsch abbiege und wir somit wertvolle Zeit verlieren. Um Punkt 6:07 Uhr wollen wir am Gipfelkreuz stehen und den Sonnenaufgang genießen!

Später, weiter oben am Fuß des finalen Anstiegs hinauf bis zum 400 Meter über uns gelegenen Gipfel des Ochsenkopfs, kündigt ein tiefes, sattes Blau den frühen Morgen an. 5:00 Uhr. Längst sind wir auf unseren Schneeschuhen unterwegs, als ich plötzlich gebannt in ein verschneites Kar über uns blicke. Dort bewegt sich etwas! Vier schwarze, relativ große Punkte. Alles ist weiß und mir fehlt ein Bezugspunkt, um die Größe oder Entfernung der Tiere abzuschätzen – sind das Gämsen? Komische Geräusche dringen zu uns herab. Ein gurgelndes, lachendes Pfeifen. So etwas habe ich noch nie gehört. Erst als eine der vermeintlichen Gämsen davonfliegt erkenne ich: Stephan und ich haben soeben unsere erste Birkhuhnbalz miterlebt! Einfach unglaublich.

5:20 Uhr. Die ganze Zeit über haben wir live auf Twitter über unsere Tour unter dem Hashtag „sunrun607“ berichtet. Jeder unserer Follower da draußen weiß also: Unser Ziel lautet um 6:07 Uhr auf dem Gipfel zu stehen. Und auch wenn wir wahrscheinlich wegen des einsetzenden Schneefalls dort oben keine Sonne zu Gesicht bekommen werden, möchten wir doch unser Vorhaben umsetzen und pünktlich sein.

Doch die letzten Höhenmeter werden zur echten Herausforderung. Bis zum Knie stecke ich in Pulverschneeverwehungen, als ich uns einen Weg den steilen Hang hinauf spure. Hier ist kein Durchkommen. Mit jedem Schritt rutsche ich weiter nach unten zurück Richtung Tal. Wir müssen erst unsere Bedenken überwinden und auf den vereisten Grat entlang eines Wechtensystems wechseln, um endlich voran zu kommen. Das linke Bein in Österreich, das rechte in Deutschland, bewegen wir uns nun direkt auf der Alpengrenze dem Gipfelkreuz entgegen.

Um Punkt 6:07 Uhr stehen wir nach 1:45 Stunden am Rand des Gipfelplateaus noch rund hundert Meter vom höchsten Punkt entfernt und drehen uns gen Osten um. Sonne? Fehlanzeige! Aber egal. Ein Riesenerlebnis war’s trotzdem! Glücklich aber platt und ausgepumpt laufen wir durch dichtes Schneetreiben zum Kreuz und klatschen uns ab: Ein weiteres, unvergessliches „Adventuredahoam“ ist geschafft!

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