20 Jahre habe ich ohne wirklich darüber nachzudenken die Teilnahme an Wettkämpfen ins Zentrum meiner Radleidenschaft gestellt. Sie gab meinem Treiben Thrill, Anerkennung, Richtung und Sinn. Das Resultat: Eine Menge Spaß, ein lediertes Kreuz, ein paar Top Tens und ein 2. Platz. Errungen vor längst vergangenen Zeiten, als ich noch alles dem Sport unterordnen konnte und wollte.
So weit so gut. Damit – mit der Wettkampforientierung – ist nun aber Schluss. „Ich bin raus“ könnte man sagen – frei nach dem aktuellen Claim einer bekannten Sportmarke vor meiner Haustüre.
Warum? Weil ich mich von meinen eigenen sportlichen Ansprüchen zunehmend gehetzt fühlte und dabei den Spaß am Biken zu verlieren begann. Es störte mich, wie mein Fokus auf Leistung und Training meine komplette Umgebung zur bloßen Kulisse verkommen ließ. Zudem merkte ich, dass die Zeit und Energie die ich heute zu investieren bereit bin, für befriedigende Rennteilnahmen einfach nicht mehr ausreicht. Und einfach nur als Kanonenfutter mitfahren, das ist nichts für mich.
Diese Erkenntnis stellte mich jedoch vor ein neues Problem. Ohne Wettkämpfe fehlte auf einmal der Antrieb, ja das Zentrum meines bisherigen Radlertreibens. Was tun?
Ich besann mich irgendwann auf meine Liebe zur Natur, sowie meine Bewunderung für die großen Abenteurer unserer Zeit und begann mich zu fragen: Muss man um ein Abenteuer zu erleben eigentlich immer gleich Alaska durchqueren, oder geht so etwas auch vor der eigenen Türe?
Mitten in diesen Überlegungen hat mich nicht zuletzt die Microadventure-Initiative des National Geographic Abenteurers Alastair Humphreys (www.microadventures.org) darin bestärkt, dass Abenteuer nicht zwingend etwas mit weiten Anreisen, großen Expeditionsbudgets und Aktionen auf Leben und Tod zu tun haben müssen. Vielleicht werden sie dadurch für die breite Masse noch etwas interessanter. Das Abenteuer selbst jedoch kann gleich vor der eigenen Türe starten. Ist es zudem kreativ und interessant gestaltet, kann es auch medial attraktiv sein. Köpfchen ist also gefragt. In der Tat: Denn ein Abenteuer, lernte ich, beginnt immer im Kopf.
Kurzum: Das Thema hatte mich erfasst und begann mich zu inspirieren.
Und so beschloss ich umzusatteln: Vom Hobby-Racebiker auf Teilzeit-Abenteurer. Und auf einmal hatte ich – juhu – wieder eine Perspektive für meinen Sport! Fit genug um beispielsweise mehrere Tage auf dem Rad verbringen zu können, war ich bereits durch jahrelange Grundlagen. Zudem hatte ich ja durchaus vor, weiterhin regelmäßig aktiv zu bleiben – nur eben nicht nach alter Manier mit Tunnelblick, Personaltrainer, Ernährungsplan und Co.
Als „Teilzeit-Abenteurer“ alias „Schwarzfuchs“ will ich mir neben klassischen Touren künftig somit jedes Jahr ein mehr oder weniger verrücktes Ziel setzen und hier auf diesem Blog darüber berichten.
2014 war mein erstes Projekt „#20winters“, die Nonstopfahrt von meiner Heimatstadt Augsburg auf die Zugspitze per Bike und Hike. Wie es mir dabei ergangen ist, lest Ihr hier: LINK. In 2015 habe ich, ebenfalls mit dem Rad und zu Fuß, die drei höchsten Berge Deutschlands bestiegen. Die Reportage dazu gibt’s hier: LINK.
Übrigens, eines merke ich nach meinem „Ausstieg“ bereits: Der Spaß am Sport und die Entspanntheit in der Ausübung sind bereits zurückgekehrt. Ein schönes Gefühl.