Wissenschaftler sagen: Erotikfilme beeinflussen die entsprechenden Wünsche Erwachsener. Wenn das stimmt, wenn gewisser Medienkonsum also Folgen hat: Welchen Effekt haben dann Extrem- bzw. Risikosportfilme auf die sportlichen Zielvorstellungen und Aktivitäten junger Menschen?

Überraschenderweise habe ich hierzu bisher nur wenig gesicherte Informationen gefunden, aber ich vermute mal: Keinen neutralen. Vor allem, wenn solche Inhalte aufwändig inszeniert, medial geballt und ungefiltert über angesagte Plattformen auf sie treffen. Kinder und Jugendliche sind ja gerade noch dabei, ihre eigenen Vorstellungen von Sport, sportlichen Vorbildern, Zielen und Träumen zu entwickeln. Sie wollen „cool“ sein, lassen sich gerne inspirieren und sind um ein Vielfaches begeisterungsfähiger und spontaner als Erwachsene. Nicht selten neigen sie dabei zu unreflektierten Handlungen – vor allem in der Pubertät.

Klar war die Jugend schon immer wild. Aber heute können die Kids, anders als wir damals, ihre Heldentaten per Smartphone filmen, auf Videoportale hochladen und weltweit mit anderen teilen. Eine unglaubliche Entwicklung, die ihre Risikobereitschaft jedoch international vergleichbar gemacht hat. Wie wirkt sich das – im Zusammenspiel mit dem professionellen Extremsport-Filmangebot im Netz – auf das gegenseitige Anstachelungspotenzial aus? Was ist bei diesem medialen Druck noch cool? Gelten hierfür noch ähnliche Maßstäbe wie bei uns vor fünfundzwanzig Jahren? Ich habe da so meine Zweifel…

Was ist Sport?

Als Adventureblogger verfolge ich die Szene, bin selbst auf Social Media aktiv und natürlich draußen unterwegs. Meist per Bike oder zu Fuß. Suche ich den Thrill, finde ich ihn in konditionellen (!) Grenzerfahrungen, umgeben von möglichst wilder Natur. Objektive Unfallrisiken probiere ich hingegen zu vermeiden. Soweit meine Definition von Sport.

Als Vater von einem zehn- und einem dreizehnjährigen Sohn freue ich mich natürlich über deren Sportbegeisterung. Dennoch beschleicht mich das Gefühl, es hierbei mit einer zunehmend anderen Definition von Sport zu tun zu haben: Tricks und damit nicht selten das (unbewusste?) Eingehen und die Bewältigung objektiver Unfallrisiken, stehen im Zentrum, konditionelle Grenzerfahrungen eher am Rand. Oder anders formuliert: Das Mountainbike fährt, falls es nicht fliegt, in dieser Welt nur äußerst selten auf zwei Rädern.

Per Salamitaktik zum Risikosportler?

Die Ursache für diese Interpretation von Sport kann ich, siehe oben, nur vermuten. Klar ist, dass beide samt Freundeskreis von Extremsportclips im Internet begeistert sind. Sich Tricks dort anschauen und versuchen sie nachzumachen – Schritt für Schritt zum nächsten Level.

So bewegen mich momentan drei ganz konkrete Fragen:

  1. Wie erkläre ich meinem Großen (Parcouring), dass der Vorwärtssalto auf Asphalt als nächster Trainingsschritt ein folgenschwerer Fehler sein könnte?
  2. Wie mache ich meinem Kleinen (Mountainbike) plausibel, dass Fahrfehler ab einer gewissen Schanzenhöhe von der Physik gnadenlos bestraft werden?
  3. Wie also vermittle ich meinen Kindern ein gesundes Risikobewusstsein?

Natürlich will ich ihnen nicht ihre Sportbegeisterung vermiesen. Dennoch müssen sie verstehen, dass…

… ein Trick – und sei er noch so cool – es niemals wert ist, die Gesundheit zu risikieren und sich vielleicht schon als Kind der vielen anderen Optionen zu berauben, die das spätere Leben noch bereithält.

… der Risikosport sich nicht via Salamitaktik – Level für Level – in ihr noch junges Leben schleichen darf. Mit Folgen, von denen sie als körperlich gesunde Kinder noch gar keine Vorstellung haben können.

… Sport nicht immer risikoreicher betrieben werden muss, um Spaß zu machen.

Gar nicht so einfach in einer Zeit, in der Sportler – potenzielle Vorbilder – Flügel zu haben scheinen. Und gesellschaftlich umso größer rauskommen, je stärker sie bereit sind, sich in den Schatten des Risikos und damit in lebensgefährliche Situationen zu wagen.

Wie weit werden unsere Kinder gehen – und zu welchem Preis?

A propos Vorbilder: Die Helden meiner Jugend haben große Mountainbikerennen gewonnen. Mich hat das motiviert selbst damit anzufangen und hart dafür zu trainieren. Das Resultat: Spaß und ein paar gute Platzierungen. Der Preis: Ein lädierter Rücken. Die Bilanz? Passt.

Die Helden  ihrer Jugend hingegen, drehen sich so oft mit dem Bike in der Luft um irgendwelche Achsen, dass mir vom Zusehen schon ganz schwindlig wird. Oder sie springen via Salto über tiefe Straßenschluchten.

Auch wenn ich ihre Begeisterung dafür mitunter teilen kann, hört als Daddy der Spaß bei der Verantwortung für die eigenen Kids schnell auf. Das führt mich zu folgenden Fragen: Zu was wird all das sie – ihre Generation – einmal motivieren? Wie weit werden sie gehen, oder getrieben? Welchen Preis werden sie alle einmal dafür bezahlen? Und: Wird ihre Bilanz später auch noch passen?

Ich finde diese Fragen werden viel zu selten thematisiert.

Diskussion: Was sind Eure Gedanken dazu? Lasst uns darüber diskutieren. Gerne hier (via Kommentarfunktion), oder auf Twitter bzw. Facebook unter dem Hashtag #derSCHATTENdesRISIKOS.

Am 09.12.2016 ist zu dieser Diskussion übrigens ein Artkel von Einfachdraussen erschienen. Ihr findet ihn hier: LINK